lockenschatten

Marie Klein

2010

Hugo Wolfs “Spanisches Liederbuch” (von Emanuel Geibel und Paul Heyse übersetzt nach spanischen Gedichten und Vokalliedern) konterkariert mit Vokal- und Klavierkompositionen und intervenierenden Filmprojektionen. Im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik 2010 aufgeführt, als szenischer Liederabend. Die Filme überlagern als fragile, zweite Ebene die reale Raumsituation. Es sind Projektionen im doppelten Wortsinne. Eigenständig „bebildern“ sie zum einen die konkrete Liedinhalte, mal kontrastiv, mal direkt. Zum anderen stellen sie quasi Gedanken- oder Kopfprojektionen die einer einzigen Phantasie entsprungen zu sein scheinen, nämlich jener auffällig männlichen im „Spanischen Liederbuch“. Ein übergeordnetes, allgemeineres Entschlüsselungsprinzip wird über den Köpfen der konkreten „Bühnenfiguren“ erahnbar. Sie treten aus ihrer Fremdheit und Unvertrautheit heraus, es entstehen Bedeutungsverschiebungen und begründen im Verlauf des Abends ein schillerndes Episodengeflecht. So wird das gesamte Geschehen zu einem Spiel mit der Zuschauerwahrnehmung – und, spielerisch konfrontiert mit dem Unvertrauten, das Eigene, heimatlich Erscheinende, als Zeichen spürbar. (Text: Ralf Peter)
Aufgeführt am 8. September 2010 im Rathausfestsaal, Saarbrücken
Claudia Kemmerer - MEZZOSOPRAN
Ralf Peter - STIMMKUNST
Daniel N. Seel - KLAVIER
Marie Klein - VIDEO
Claudia Kemmerer - KONZEPTION
Ralf Peter